Einsatzmöglichkeiten für Demand Side Management

Windkraftanlagen

Im Folgenden werden die positiven Wirkungen von Demand Side Management auf das Stromerzeugungssystem näher erläutert.

Einsatz von DSM auf Spotmärkten

Demand Side Management auf Spotmärkten bedeutet im Wesentlichen, dass die Stromnachfrage flexibel auf Veränderungen des Strompreises reagiert. In Stunden geringer Windenergieeinspeisung und hoher Last kann eine kurzfristige Reduktion der Stromnachfrage beispielsweise Lastspitzen vermindern. Durch dieses sogenannte „Peak Shaving“ wird der Einsatz teurer Spitzenlastkraftwerke reduziert, was sich senkend auf die Peak-Preise auswirkt.

Des Weiteren können bestimmte DSM-Prozesse die Funktion eines Stromspeichers einnehmen, indem die Stromnachfrage zu Zeiten mit geringen Strompreisen, beispielsweise bei starker Windenergieeinspeisung und geringer Nachfrage, nachgeholt wird. Dieser Mechanismus wird allgemein als „Valley Filling“ bezeichnet.

Einsatz von DSM am Markt für Regelleistung

Zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität ist es notwendig, dass sich die Stromeinspeisung in das Netz und die Entnahme aus dem Netz zu jedem Zeitpunkt entsprechen. Um dies zu gewährleisten, müssen nicht vorhersehbare Erzeugungs- oder Verbrauchsschwankungen ausgeglichen werden. Der Ausgleich unvorhergesehener Abweichungen erfolgt durch den Einsatz von Regelenergie.

Regelenergie wird bisher vor allem durch steuerbare Erzeugungsanlagen hergestellt, die im Fall von positiver Regelenergie ihre Erzeugung erhöhen oder im Fall von negativer Regelenergie ihre Erzeugung drosseln. Regelenergie kann aber auch durch Lastverlagerung bereitgestellt werden. Eine kurzfristige Erhöhung oder Verringerung der Stromnachfrage durch DSM kann ebenfalls auf dem Regelenergiemarkt angeboten werden.

Die Verkürzung des Ausschreibungszeitraums von Primärregelleistung von sechs Monaten auf einen Monat hat den Regelleistungsmarkt für DSM-Anbieter attraktiver gemacht. Die Vermarktung von DSM-Kapazitäten auf den Regelleistungsmärkten ist aber nach wie vor technischen Einschränkungen und regulatorischen Restriktionen unterworfen. Durch technische Weiterentwicklungen und Anpassungen des Marktdesigns wird sich der Marktzugang für industrielle Anbieter aber sukzessive erleichtern.

Einsatz von DSM zum Bilanzkreisausgleich

Auch für den Ausgleich einzelner Bilanzkreise ist eine Nutzung von Demand Side Management möglich. Hierbei sind für die Bereitstellung von Ausgleichsenergie lediglich ein Informationsaustausch zwischen dem Unternehmen und dem Bilanzkreisverantwortlichen bezüglich der Preissignale sowie eine zentrale Steuerung des Abrufs durch den Bilanzkreisverantwortlichen erforderlich. Folglich ist die Nutzung von DSM in diesem Bereich mit vergleichsweise geringem Aufwand verbunden. Dem stehen jedoch auch vergleichsweise geringe Einnahmemöglichkeiten gegenüber.

Einsatz von DSM zur Entlastung der Stromnetze

Unternehmen können mit Netzbetreibern Vereinbarungen zur Nutzung flexibler Lasten treffen, zum Beispiel um in kritischen Netzsituationen durch gezielte Schaltungen den Netzbetrieb zu stabilisieren.
Mit der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes wurden Ende 2012 zum Beispiel Anreize dafür geschaffen, dass Übertragungsnetzbetreiber und Letztverbraucher, also Unternehmen mit einer Mindestlastgröße von 50 Megawatt, solche Vereinbarungen über die Zu- und Abschaltung von Lasten schließen. Es wurde gesetzlich geregelt, dass Unternehmen in bestimmten Fällen Erlöse für die Nutzbarmachung ihrer flexiblen Lasten erhalten können.

DSM im Bereich der Stromverteilnetze

Viele Vermarktungsformen von DSM, wie zum Beispiel die Regelenergie, sind für die Übertragungsnetzebene relevant. Technisch gesehen ist DSM aber auch auf Verteilnetzebene von großer Bedeutung, vor allem um die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen. Diese Technologien sind größtenteils auf Verteilnetzebene angeschlossen.

Durch die Einführung des § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) wurde ein erster Anreiz geschaffen, um auch auf Verteilnetzebene DSM anzuwenden. Verteilnetzbetreiber haben danach Letztverbrauchern ein geringeres Netzentgelt anzubieten, wenn sie es ihm ermöglichen in kritischen Netzsituationen Lasten abzuschalten. Nach § 21i Abs. 1 Nr. 9 EnWG  ist die Bundesregierung zudem berechtigt durch Konkretisierung einer Rechtsverordnung nach § 14a EnWG weitere Anreize für die Vermarktung von DSM auf Verteilnetzebene zu setzen.