Unternehmenssteckbrief: Fernwasserversorgung Franken vermarktet flexible Lasten.

Foto: FWF

Der kommunale Zweckverband Fernwasserversorgung Franken (FWF) wird in diesem Jahr seinen Stromverbrauch an die Energiewende anpassen. Gemeinsam mit dem DSM-Vermarkter Clean Energy Sourcing (Clens) wird das Unternehmen seine Notstromaggregate flexibel vermarkten. Die Vermarktung wird über die Regelleistungsmärkte und ggf. den Stromspotmarkt erfolgen.

“Die Vermarktung von flexiblen Lasten muss noch mehr an Bedeutung gewinnen!"

Fernwasserversorgung Franken (FWF).

Der Wasserzweckverband mit Sitz in Uffenheim versorgt seit 1951 weite Teile von Mittel- und Unterfranken mit Trinkwasser. Dazu wird örtliches Grundwasser gefördert, zu Trinkwasser aufbereitet und anschließend über ein mehr als 1.100 km langes Leitungsnetz zu den umliegenden Gemeinden transportiert. Das Versorgungsgebiet umfasst dabei 6 Landkreise und 4.700 km² Fläche. Der Zweckverband versorgt rund 400.000 Menschen in 144 Städten mit Trinkwasser und betreibt 52 Brunnen und 5 Wasserwerke.

Flexibilitätsbedarf im deutschen Stromsystem.

Durch den steigenden Anteil volatiler erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird der Bedarf an Flexibilität im deutschen Stromsystem wachsen. Der Atomausstieg sowie das geplante schrittweise Abschalten von Kohlekraftwerken führen dazu, dass weniger steuerbare Kraftwerkskapazität verfügbar sind. Der zunehmende Flexibilitätsbedarf muss deshalb durch neue Anbieter gedeckt werden.

Demand Side Management als Flexibilitätsoption.

Um Schwankungen in der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien auszugleichen gibt es unterschiedliche Flexibilitätsoptionen: die Vorhaltung von steuerbaren Kraftwerken, verschiedene Speichertechnologien, Stromnetzausbau, und die Anpassungen im Verbrauch. Statt große Kraftwerke für den Fall vorzuhalten, dass temporär zu wenig Strom im Netz verfügbar ist, kann auch der Stromverbrauch an den verfügbaren Strom angepasst werden. Die Mechanismen, um flexible Lasten marktwirtschaftlich anzubieten, werden unter dem Begriff Demand Side Management oder kurz DSM zusammengefasst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten flexible Lasten zu vermarkten. Am Stromspotmarkt, indem z.B. die Stromlast reduziert wird, wenn die Strompreise gerade besonders hoch sind. Oder am sogenannten Regelleistungsmarkt, bei dem die Übertragungsnetzbetreiber Ungleichgewichten im Netz durch die Nutzung von Regelleistung gegensteuern.

Vermarktung flexibler Stromlasten.

  • Stromspotmarkt: Steuerung des Stromverbrauchs als Reaktion auf niedrige und hohe Strompreise am Spotmarkt der Energiebörse EEX.
  • Regelleistung: Die Lastanpassung dient dem Ausgleich von Schwankungen der Stromnetzfrequenz.
  • Bilanzkreismanagement: Nutzung der flexiblen Last als Ausgleich von Fahrplanabweichungen im Bilanzkreis von Übertragungsnetzbetreibern.

Flexibler Einsatz von Notstromaggregaten und Anpassung der Pumpen- und Speichersteuerung bei FWF.

Die Fernwasserversorgung Franken wird im ersten Schritt ihre bestehenden Notstromaggregate für die Sekundärregelleistung anbieten. Die Anlagen von FWF können netzsynchron betrieben werden und erfüllen damit eine wesentliche Voraussetzung für eine Vermarktung.

Im zweiten Schritt prüft das Unternehmen die Vermarktung von Pumpensteuerung und Speicherbewirtschaftung. Die Pumpen der FWF haben eine installierte Leistung von insgesamt ca. 1,27 MW. Sie können flexibel betrieben werden, da in der Wasserversorgung ausreichend Puffer in Form von Wasserleitungen und -speichern zur Verfügung steht. Beide Flexibilitätsoptionen können an den Regelleistungsmärkten, aber auch am Spotmarkt angeboten werden. Für die Vermarktung an den Regelleistungsmärkten ist zusätzlich eine Präqualifikation durch die Übertragungsnetzbetreiber erforderlich

Erlöse erzielen mit DSM.

Mit der Vermarktung flexibler Lasten von 1 MW konnte ein Unternehmen in 2015 am Sekundärregelleistungsmarktjährlich etwa 60.000 Euro für das Vorhalten von abschaltbarer Last und 40.000 Euro für das Vorhalten zuschaltbarer Last erzielen. Zusätzliche werden die Abrufe mit einem Arbeitspreis vergütet.


Das Pilotprojekt DSM Bayern.

Die Vermarktung der flexiblen Lasten wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Rahme n des Pilotprojekts „Demand Side Management Bayern“ begleitet. Im Pilotprojekt untersucht die dena unter Förderung durch das bayerische Wirtschafts-ministerium und im Zusammenwirken mit bayerischen Unternehmen, wie die DSM-Vermarktung wirtschaftlich erfolgreich eingesetzt werden kann. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre DSM-Potenziale zu ermitteln und zu vermarkten. Die dena hat dafür die stromverbrauchenden Prozesse von ca. 50 bayerischen Unternehmen dahingehend analysiert, ob es DSM-Potenziale gibt und ob diese vermarktbar sind. Derzeit unterstützt die dena die Unternehmen dabei, die Vermarktung der geeigneten DSM-Potenziale umzusetzen und zu erproben. Am Ende des Projekts wird eine politische Roadmap aus den Projekterfahrungen abgeleitet.