Unternehmenssteckbrief: Flexibles Lastmanagement bei UPM.

Foto: UPM

Das Papierunternehmen UPM flexibilisiert an seinem Standort im bayerischen Schongau Teile der Stromlasten. Das Unternehmen verfügt über große Faserherstellungs- und Faseraufbereitungsprozesse die gemeinsam mit weiteren Verbrauchsprozessen und einem eigenen Kraftwerk flexibel vermarktet werden. Die Flexibilität des Unternehmens wird den Übertragungsnetzbetreibern als Regelleistung angeboten. UPM leistet damit als energieintensives Unternehmen einen wichtigen Beitrag für die Energiewende.

“Durch die Bereitstellung von Flexibilitäten trägt UPM zum Gelingen der Energiewende bei.” Thomas Friedl, Leiter Energie.

UPM

UPM ist ein weltweit führendes finnisches Papierunternehmen mit mehreren Standorten in Deutschland. Im Werk Schongau hat die Papierherstellung eine lange Tradition. Im Jahr 1887 nahm die erste Papierfabrik dort ihren Betrieb auf. Am Standort in Oberbayern produzieren 540 Mitarbeiter unter anderem Papier für Zeitungen und Magazine sowie für Werbebeilagen.

Flexibilitätsbedarf im deutschen Stromsystem.

Durch den steigenden Anteil volatiler erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird der Bedarf an Flexibilität im deutschen Stromsystem wachsen. Der Atomausstieg sowie das geplante schrittweise Abschalten von Kohlekraftwerken führen dazu, dass weniger steuerbare Kraftwerkskapazitäten verfügbar sind. Der zunehmende Flexibilitätsbedarf muss deshalb durch neue Anbieter gedeckt werden.

Demand Side Management als Flexibilitätsoption.

Um Schwankungen in der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien auszugleichen gibt es unterschiedliche Flexibilitätsoptionen, die Vorhaltung von steuerbaren Kraftwerken, verschiedene Speichertechnologien, Stromnetzausbau, und die Anpassungen im Verbrauch. Statt große Kraftwerke für den Fall vorzuhalten, dass temporär zu wenig Strom im Netz verfügbar ist, kann auch der Stromverbrauch an den verfügbaren Strom angepasst werden. Die Mechanismen, um flexible Lasten marktwirtschaftlich anzubieten, werden unter dem Begriff Demand Side Management oder kurz DSM zusammengefasst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten flexible Lasten zu vermarkten. Am Stromspotmarkt, indem z.B. die Stromlast reduziert wird, wenn die Strompreise gerade besonders hoch sind. Oder am sogenannten Regelleistungsmarkt, bei dem die Übertragungsnetzbetreiber Ungleichgewichten im Netz durch die Nutzung von Regelleistung gegensteuern.

Vermarktung flexibler Stromlasten.

  • Stromspotmarkt: Steuerung des Stromverbrauchs als Reaktion auf niedrige und hohe Strompreise am Spotmarkt der Energiebörse EEX.
  • Regelleistung: Die Lastanpassung dient dem Ausgleich von Schwankungen der Stromnetzfrequenz.
  • Bilanzkreismanagement: Nutzung der flexiblen Last als Ausgleich von Fahrplanabweichungen im Bilanzkreis von Übertragungsnetzbetreibern.


Flexible Prozesse in der Papierherstellung.

Bei der Papierherstellung werden als Rohstoff neben Altpapier auch Holzhackschnitzel verwendet, die im Produktionsprozess zu Holzstoff zerfasert werden. Dieser stromintensive Prozessschritt eignet sich gut für DSM. Die Holzhackschnitzel und der Holzstoff lassen sich vor beziehungsweise nach dem Prozess in Materialspeichern lagern. Das ermöglicht es, die Stromabnahme für das Zerfasern kurzfristig zu unterbrechen, ohne den Anlagen und dem Produkt zu schaden und den weiteren Produktionsprozess zu stören. Zusätzlich ist für das Unternehmen die Vermarktung des eigenen KWK-Kraftwerks interessant. Das Unternehmen bietet seine flexiblen Prozesse den zuständigen Übertragungsnetzbetreibern als Regelleistung an.


Viele Industrieunternehmen verfügen über eine eigene Stromerzeugung, die sie hauptsächlich für den Eigenverbrauch einsetzen, um weniger Strom aus dem Stromnetz zu beziehen. In vielen Fällen bietet sich aber auch für kleinere Eigenerzeuger wie BHKWs oder sogar Notstromaggregate die zusätzliche Vermarktung dieser Anlagen an den Regelleistungsmärkten der Übertragungsnetzbetreiber an.

Erlöse erzielen mit DSM.

Mit der Vermarktung flexibler Lasten können Unternehmen z.B. an den Regelleistungsmärkten für das Vorhalten von abschaltbarer und zuschaltbarer Last Erlöse erzielen. Zusätzlich werden die Abrufe mit einem Arbeitspreis vergütet. Die aktuellen Preise und Ausschreibungsergebnisse finden Sie unter www.regelleistung.net.

Das Pilotprojekt DSM Bayern.

Die Vermarktung der flexiblen Lasten wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Rahmen des Pilotprojekts „Demand Side Management Bayern“ begleitet. Im Pilotprojekt untersucht die dena unter Förderung durch das bayerische Wirtschaftsministerium und im Zusammenwirken mit bayerischen Unternehmen, wie die DSM-Vermarktung wirtschaftlich erfolgreich eingesetzt werden kann. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre DSM-Potenziale zu ermitteln und zu vermarkten. Die dena hat dafür die stromverbrauchenden Prozesse von ca. 50 bayerischen Unternehmen dahingehend analysiert, ob es DSM-Potenziale gibt und ob diese vermarktbar sind. Derzeit unterstützt die dena die Unternehmen dabei, die Vermarktung der geeigneten DSM-Potenziale umzusetzen und zu erproben. Am Ende des Projekts wird eine politische Roadmap aus den Projekterfahrungen abgeleitet.