Unternehmenssteckbrief: Verallia vermarktet flexible Lasten.

Foto: Veralia

Der Glashersteller Verallia Deutschland wird gemeinsam mit dem DSM-Vermarkter EnerNOC flexible Lasten aus Netzersatzanlagen, elektrischen Zusatzheizungen der Glasschmelze und anderen Verbrauchern vermarkten.  Die Vermarktung wird über die Regelleistungsmärkte erfolgen. Damit erzielt das Unternehmen zusätzliche Erlöse und  trägt zur Versorgungssicherheit im deutschen Stromnetz bei.

"(R)evolution Energiewende – als energieintensives Unternehmen wollen wir agieren statt reagieren.”

Verallia  Deutschland.

Verallia beschäftigt in Deutschland mehr als 1.400 Mitarbeiter und verfügt über 4 Produktionsstandorte in Bad Wurzach, Wirges, Neuburg und Essen. Das Unternehmen ist einer von Deutschlands führenden Herstellern von Glasflaschen und -behältern für den Getränke- und Lebensmittelbereich. Glasherstellung ist ein energieintensiver Prozess, d.h. es wird eine große Menge Strom und Wärme benötigt. Das Schmelzen von Glas erfordert  z. B.  sehr hohen Temperaturen von über 1500°C.

Flexibilitätsbedarf im deutschen Stromsystem.

Durch den steigenden Anteil volatiler erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird der Bedarf an Flexibilität im deutschen Stromsystem wachsen. Der Atomausstieg sowie das geplante schrittweise Abschalten von Kohlekraftwerken führen dazu, dass weniger steuerbare Kraftwerkskapazität verfügbar ist. Der zunehmende Flexibilitätsbedarf muss deshalb durch neue Anbieter und flexible Lasten gedeckt werden.

Demand Side Management als Flexibilitätsoption.

Um Schwankungen in der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien auszugleichen gibt es unterschiedliche Flexibilitätsoptionen: die Vorhaltung von steuerbaren Kraftwerken, verschiedene Speichertechnologien, Stromnetzausbau und die Anpassungen im Verbrauch.

Statt  große Kraftwerke für den Fall vorzuhalten, dass temporär zu wenig Strom im Netz verfügbar ist, kann auch der Stromverbrauch an den verfügbaren Strom angepasst werden. Die Mechanismen, um  flexible Lasten marktwirtschaftlich anzubieten, werden unter dem Begriff Demand Side Management oder kurz DSM zusammengefasst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten flexible Lasten zu vermarkten. Am Stromspotmarkt, indem z.B. die Stromlast reduziert wird, wenn die Strompreise gerade besonders hoch sind. Oder am sogenannten Regelleistungsmarkt, bei dem die Übertragungsnetzbetreiber Ungleichgewichten im Netz durch die Nutzung von Regelleistung gegensteuern.

Vermarktung flexibler Stromlasten.

  • Stromspotmarkt: Steuerung des Stromverbrauchs als Reaktion auf niedrige und hohe Strompreise am Spotmarkt der Energiebörse EEX.
  • Regelleistung: Die Lastanpassung dient dem Ausgleich von Schwankungen der Stromnetzfrequenz.
  • Bilanzkreismanagement: Nutzung der flexiblen Last als Ausgleich von Fahrplanabweichungen im Bilanzkreis von Übertragungsnetzbetreibern

Erlöse erzielen mit DSM.

Mit der Vermarktung flexibler Lasten von
1 MW konnte  ein Unternehmen in 2015 am  Sekundärregelleistungsmarktjährlich etwa 60.000 Euro für das Vorhalten von abschaltbarer Last und 40.000 Euro für das Vorhalten zu-schaltbarer Last erzielen. Zusätzliche werden die Abrufe mit einem Arbeitspreis vergütet.

Flexible Vermarktung von Notstromaggregaten und Glaswannenheizungen.

Die Glasherstellung erfolgt aus den Hauptrohstoffen Recyclingglas, Sand, Soda und Kalk sowie weiteren Bestandteilen. Die Ausgangsstoffe werden gemischt, geschmolzen und anschließend in die gewünschte Form gebracht und abgekühlt. Beim Schmelzprozess werden sehr hohe Temperaturen benötigt, die durch Gas- und elektrische Heizungen erreicht werden. Die energieintensiven elektrischen Heizungen stehen hier als Flexibilitätsoption zur Verfügung. Industrielle Wärmeprozesse eignen sich generell gut für flexible Vermarktungen, wenn entsprechende Wärmepuffer vorhanden sind. Die elektrischen Heizungen können bei Verallia über kürzere Zeiträume herauf- oder heruntergeregelt werden, ohne dass sich negative Rückwirkungen auf die Produktion ergeben. Verallia Deutschland möchte diese Flexibilität als Sekundärregelleistung vermarkten.

Zusätzlich plant das Unternehmen, flexible Lasten seiner Notstromaggregate einzusetzen. Die Notstromaggregate können netzsynchron gefahren werden und erfüllen damit eine wesentliche Voraussetzung für die Vermarktung. 

Das Pilotprojekt DSM Bayern.

Die Vermarktung der flexiblen Lasten wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Rahmen des Pilotprojekts „Demand Side Management Bayern“ begleitet. Im  Pilotprojekt untersucht die dena unter Förderung durch das bayerische Wirtschaftsministerium und im Zusammenwirken mit bayerischen Unternehmen, wie die DSM-Vermarktung wirtschaftlich erfolgreich eingesetzt werden kann. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre DSM-Potenziale zu ermitteln und zu vermarkten. Die dena hat dafür die stromverbrauchenden Prozesse von ca. 50 bayerischen Unternehmen dahingehend analysiert, ob es DSM-Potenziale gibt und ob diese vermarktbar sind. Am Ende des Projekts wird eine politische Roadmap aus den Projekterfahrungen abgeleitet.