Unternehmenssteckbrief: Wieland vermarktet flexible Lasten.

Foto: Wieland

Die Wieland-Werke AG wird in diesem Jahr ihre Stromlasten flexibilisieren. Gemeinsam mit dem DSM-Vermarkter EnerNOC sollen der flexible Einsatz von Notstromaggregaten und Schmelzöfen vermarktet werden. Die Vermarktung erfolgt über den Regelleistungsmarkt in der Sekundärregelleistung. Das energieintensive Unternehmen leistet damit  einen wichtigen Beitrag für die Energiewende.

„Es ist erforderlich, dass Industrieunternehmen der Zugang zu diesen Potenzialen erleichtert wird, vor allem durch den Abbau von bürokratischen Hindernissen.“ Eckhart Zimmermann, Werkleiter Werk Vöhringen

Wieland-Gruppe.

Die international tätige Wieland-Gruppe mit Sitz in Ulm ist einer der Weltmarktführer bei der Erzeugung von Halbfabrikaten aus  Kupfer und Kupferlegierungen. Das 1820 gegründete Unternehmen verfügt weltweit über 6.800 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2014/15 mit einem Absatz von 443.000 t Kupferwerkstoffen 2,8 Mrd. Euro Umsatz. Die Erzeugnisse  finden sich beispielsweise in Anwendungen der Automobilindustrie, der Elektromobilität, der Elektrotechnik oder im Maschinenbau. Da die Kupferverarbeitung u.a. in großen Schmelzöfen sehr energieintensiv ist, hat die Energieoptimierung für das Unternehmen eine besonders hohe Bedeutung.

Flexibilitätsbedarf im deutschen Stromsystem.

Durch den steigenden Anteil volatiler erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird der Bedarf an Flexibilität im deutschen Stromsystem wachsen. Der Atomausstieg sowie das geplante schrittweise Abschalten von Kohlekraftwerken führen dazu, dass weniger steuerbare Kraftwerkskapazität verfügbar ist. Der zunehmende Flexibilitätsbedarf muss deshalb durch  neue  Anbieter gedeckt werden.

Demand Side Management als Flexibilitätsoption.

Um Schwankungen in der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien auszugleichen gibt es unterschiedliche Flexibilitätsoptionen: die Vorhaltung von steuerbaren Kraftwerken, verschiedene Speichertechnologien, Stromnetzausbau, und die Anpassungen im Verbrauch.
Statt  große Kraftwerke für den Fall vorzuhalten, dass temporär zu wenig Strom im Netz verfügbar ist, kann auch der Stromverbrauch an den verfügbaren Strom angepasst werden. Die Mechanismen, um flexible Lasten marktwirtschaftlich anzubieten, werden unter dem Begriff  Demand Side Management oder kurz DSM zusammengefasst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten flexible Lasten zu vermarkten. Am Stromspotmarkt, indem z.B. die Stromlast reduziert wird, wenn die Strompreise gerade besonders hoch sind. Oder am sogenannten Regelleistungsmarkt, bei dem die Übertragungsnetzbetreiber Ungleichgewichten im Netz durch die Nutzung von Regelleistung gegensteuern.

Vermarktung flexibler Stromlasten.

  • Stromspotmarkt: Steuerung des Stromverbrauchs als Reaktion auf niedrige und hohe Strompreise am Spotmarkt der Energiebörse EEX.
  • Regelleistung: Die Lastanpassung dient dem Ausgleich von Schwankungen der Stromnetzfrequenz.
  • Bilanzkreismanagement: Nutzung der flexiblen Last als Ausgleich von Fahrplanabweichungen im Bilanzkreis von Übertragungsnetzbetreibern.

Erlöse erzielen mit DSM.

Mit der Vermarktung flexibler Lasten von 1 MW konnte  ein Unternehmen in 2015 am  Sekundärregelleistungsmarktjährlich etwa 60.000 Euro für das Vorhalten von abschaltbarer Last und 40.000 Euro für das Vorhalten zuschaltbarer Last erzielen. Zusätzliche werden die Abrufe mit einem Arbeitspreis vergütet.

Flexible Schmelzöfen und Notstromaggregate.

Die Wieland-Werke AG wird im ersten Schritt ihre bestehenden Notstromaggregate zur Bereitstellung von Sekundärregelleistung anbieten. Da die Anlagen netzsynchron betrieben werden können, erfüllen sie eine wesentliche Voraussetzung für die Vermarktung.

Außerdem wird die Vermarktung der Kupfer-Schmelzöfen vorbereitet. Diese haben eine Gesamtleistung von 40 MW und bestehen aus mehreren Einzelöfen, die einer großen Schmelze zuarbeiten. Da für den Schmelzprozess nicht immer alle Aggregate in Betrieb sein müssen, ergibt sich hier eine große Flexibilität. Die Präqualifikation der Öfen für die Regelleistung erfolgt in enger Abstimmung mit dem zuständigen Übertragungsnetzbetreiber Amprion.

Besonders strombasierte Wärme- und Kälteprozesse sind für überbetriebliche Vermarktungen geeignet. Hier sind meist Wärme- und Kältepuffer vorhanden. Auch Notstromaggregate, die in vielen Industrieunternehmen eingesetzt werden, bieten eine gute Grundlage, um flexible Lasten anzubieten.

Das Pilotprojekt DSM Bayern.

Die Vermarktung der flexiblen Lasten wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Rahmen des Pilotprojekts „Demand Side Management Bayern“ begleitet. Im  Pilotprojekt untersucht die dena unter Förderung durch das bayerische Wirtschaftsministerium und im Zusammenwirken mit bayerischen Unternehmen, wie die DSM-Vermarktung wirtschaftlich erfolgreich eingesetzt werden kann. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre DSM-Potenziale zu ermitteln und zu vermarkten. Die dena hat dafür die stromverbrauchenden Prozesse von ca. 50 bayerischen Unternehmen dahingehend analysiert, ob es DSM-Potenziale gibt und ob diese vermarktbar sind. Derzeit  unterstützt die dena die Unternehmen dabei, die Vermarktung  der geeigneten DSM-Potenziale umzusetzen und zu erproben. Am Ende des Projekts wird eine politische Roadmap aus den Projekterfahrungen abgeleitet.